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Oranienburger Generalanzeiger, 30.06.1999

Ein hartes Sahnestück

 

Arbeitsgruppe fand alten Flugzeugmotor / Präsentation bei Bundeswehr,

Von Marion Voigt

 

Flugzeugabstürze aus dem im Zweiten Weltkrieg in und um Oranienburg sind das Thema dem Rüdiger Kaddatz seit über zwei Jahren fast seine ganze Freizeit widmet. Anfang Januar berichtete der OGA über den Oranienburger und sein ungewöhnliches Hobby. Seitdem hat der gelernte Metallurgie-Ingenieur fünf neue Mitstreiter und recherchiert noch eifriger als bisher.

"Wir sind mittlerweile ein richtiges kleines Team und können in Sachen Flugzeugabstürze eine Menge Informationen liefern", schätzt Rüdiger Kaddatz ein. "Drei Leute bilden eine Art Stammanschaft. Wir treffen uns regelmäßig und klären Hinweise von Augenzeugen ab." Die anderen drei würden je nach Einzelfall hinzugezogen. Während zur "festen Mannschaft" ausschließlich Oranienburger zählen, sind in der erweiterten Arbeitsgruppe auch Auswärtige vertreten.

Die erste große Entdeckung kann die Gruppe mittlerweile auch schon verbuchen. So fand sie vor einigen Tagen im Norden von Birkenwerder einen alten Flugzeugmotor. "Als dort Wasserleitungen verlegt wurden, entdeckten Anwohner, dass dort unten eine größerer Gegenstand liegt. Sie schickten uns ein Foto, und wir begannen mit der Recherche", erzählt Kaddatz. Er sei sich ziemlich sicher gewesen, dass "wir fündig werden". Aus der Erde habe eine Ventilklappe geragt, die eindeutige Rückschlüsse auf das Objekt zugelassen habe.

Beim Ministerium für Wissenschaft und Kultur sei darauf eine Graberlaubnis beantragt worden. "Und dann haben wir nachgeschaut was da in der Erde liegt."

Mitglieder des Fördervereins des Flugzeugmuseums Cottbus seien mit von der Partie gewesen. "Denn wir wollten den Fund dem Museum ohnehin zukommen lassen", so Kaddatz. "Das Museum kann sich über das Exponat freuen. So ein Sahnestück findet man nicht alle Tage." Bei dem Fund handelt es sich um ein BMW-801-Motor. Er ist 800kg schwer und noch in einem tadellosen Zustand. "Wenn man bedenkt, das er vom Himmel gefallen ist, sieht er noch sehr gut aus", freut sich Kaddatz.

Außerdem seien früher solche großen Maschinenteile sofort wieder der Rüstungsindustrie zugeführt worden. Und was diese nicht bekommen habe, sei nach dem Krieg entsorgt worden. Kaddatz und seine Mitstreiter mussten diesmal einen gewissen technischen Aufwand betreiben, um das schwere Stück zu bergen und abzutransportieren.

Der Motor stammt aus einem deutschen Jagdflieger, einer Focke Wulf 190. Der Flieger wurde während des Krieges für die sogenannte Reichsverteidigung entwickelt und kam vor allem bei der Abwehr von Bombern zum Einsatz.

Wie der Motor nach Birkenwerder kam und dort jahrzehntelang unentdeckt blieb, wollen Kaddatz und seine Leute in den nächsten Monaten feststellen. "In der Fachliteratur sind in und um Oranienburg vier Abstürze dokumentiert. Doch in unseren bisherigen Recherchen konnten wir weitaus mehr Abstürze klären. Also wird es sich auch hier um ein noch ungeklärtes Fliegerschicksal handeln", meint Kaddatz.

Die Arbeitsgruppe "Flugzeugabstürze" wird sich während des Tages der offenen Tür der Bundeswehrkaserne Lehnitz am kommenden Sonnabend, den 13. Juli, erstmals mit einem Infostand der Öffentlichkeit vorstellen. Als Anschauungsobjekt wird unter anderem der Flugzeugmotor ausgestellt. "Wir sind an weiteren Hinweisen, Zeugenaussagen und auch neuen Mitstreitern interessiert", bekräftigt Kaddatz.

 

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